Das Brieffreundin-Dilemma
Bald zehn Jahre ist es her, seit ich den ersten Brief aus Japan erhalten habe. Mit dünner, feiner Handschrift und mit farbenfrohen Briefmarken gelangte der Brief aus der Technologiestadt Okayama übers Meer nach Mitteleuropa. Ich und Masako verstanden uns sofort. Unsere Schulen vermittelten Brieffreundschaften, und ich sagte ohne zu zögern zu, um meine Englischkenntnisse zu verbessern. Zufälligerweise wurde ich ihr dann als "penfriend" zugeteilt. Wobei - ganz Zufall konnte es nicht sein. Sie ist 10 Tage jünger als ich; sie hat ähnliche Berufsinteressen. Sie studiert ein ähnliches Thema wie ich - Biochemie und Immunologie. Alles in allem sind wir sehr ähnlich.
Unzählige Briefe haben wir geschrieben - und ab und zu sogar ein Päcken geschickt und erhalten zum Geburtstag. In den letzten zwei, drei Jahren schreiben wir uns monatlich zwei Mails, in denen es vorallem um die Universität, um Prüfungen und um Forschungsarbeiten geht. Es sind kollegiale, freundschaftliche Mails. Letzte Woche jedoch musste ich das "kollegial" und "freundschaftlich" nochmals überdenken.
Am Anfang des Dilemmas stand ihre Frage, die sie in holprigem Englisch verfasst hatte: "Do you have a girlfriend?". Das machte mich natürlich stutzig. Wir schrieben nie über solche Dinge - und dass sie mich das fragte, hatte für mich einen eindeutigen Hintergrund. Sie ist in mich verknallt. In nächsten Mail liess sie mich dann auch wissen, dass sie mir - im Falle ich hätte eine Freundin - keine Briefe mehr schreiben möchte. Sie meinte, sie hätte lang darüber nachgedacht, und vielleicht würde ich mir vorstellen, dass sie und ich nur "Freunde" seien. Aber für sie ist es mehr als Freundschaft.
Liebe Leser, ihr werdet zweifelsohne blitzschnell mein Dilemma verstanden haben. Ich möchte meine Brieffreundschaft nicht aufgeben. Sie bedeutet mir sehr viel, menschlich wie beruflich. Ich bringe es nicht über mich, zu ihr ehrlich zu sein. Ich weiss auch, dass sie im Moment vielleicht im Affekt handelt, sich unbedingt einen Freund wünscht, und sie zu mir durch die Briefe eine enge Beziehung geknüpft hat - enger als zu dem meisten Männern in ihrem Umfeld. Ich habe ihr nun geantwortet - so schwammig wie möglich, mit der Quintessenz dass mir unsere Brieffreundschaft sehr viel bedeutet. Mehr als eine Freundschaft - aber nicht ganz so viel wie sich das vorstellen mag. Jetzt warte ich auf ihre Antwort. In der Hoffnung, dass ich sie nicht zu sehr verletzt habe...

Unzählige Briefe haben wir geschrieben - und ab und zu sogar ein Päcken geschickt und erhalten zum Geburtstag. In den letzten zwei, drei Jahren schreiben wir uns monatlich zwei Mails, in denen es vorallem um die Universität, um Prüfungen und um Forschungsarbeiten geht. Es sind kollegiale, freundschaftliche Mails. Letzte Woche jedoch musste ich das "kollegial" und "freundschaftlich" nochmals überdenken.
Am Anfang des Dilemmas stand ihre Frage, die sie in holprigem Englisch verfasst hatte: "Do you have a girlfriend?". Das machte mich natürlich stutzig. Wir schrieben nie über solche Dinge - und dass sie mich das fragte, hatte für mich einen eindeutigen Hintergrund. Sie ist in mich verknallt. In nächsten Mail liess sie mich dann auch wissen, dass sie mir - im Falle ich hätte eine Freundin - keine Briefe mehr schreiben möchte. Sie meinte, sie hätte lang darüber nachgedacht, und vielleicht würde ich mir vorstellen, dass sie und ich nur "Freunde" seien. Aber für sie ist es mehr als Freundschaft.
Liebe Leser, ihr werdet zweifelsohne blitzschnell mein Dilemma verstanden haben. Ich möchte meine Brieffreundschaft nicht aufgeben. Sie bedeutet mir sehr viel, menschlich wie beruflich. Ich bringe es nicht über mich, zu ihr ehrlich zu sein. Ich weiss auch, dass sie im Moment vielleicht im Affekt handelt, sich unbedingt einen Freund wünscht, und sie zu mir durch die Briefe eine enge Beziehung geknüpft hat - enger als zu dem meisten Männern in ihrem Umfeld. Ich habe ihr nun geantwortet - so schwammig wie möglich, mit der Quintessenz dass mir unsere Brieffreundschaft sehr viel bedeutet. Mehr als eine Freundschaft - aber nicht ganz so viel wie sich das vorstellen mag. Jetzt warte ich auf ihre Antwort. In der Hoffnung, dass ich sie nicht zu sehr verletzt habe...
Malte - 9. Okt, 13:35




O weh,